Vote Lernpartnerschaft

Abschlußkonferenz Budapest 13. Juni 2009



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Auch das fruchtbarste und interessanteste Austauschprojekt geht, leider!, einmal zu Ende: Unsere Lernpartnerschaft „VOTE – Voluntary Training and education“, gefördert durch das Programm für Lebenslanges Lernen der Europäischen Union,  endete am 13. Juni 2009 in Budapest mit einer Abschlußkonferenz, zu der interessierte Vertreter von ungarischen NGO’s eingeladen worden waren.

Natürlich ging es in erster Linie darum, über die Projektarbeit und deren Ergebnisse zu berichten, aber immer wenn ein Schlußpunkt gesetzt wird, ist dies auch ein Anlaß, auf den Beginn des gemeinsamen Weges und die seither gemachten Erfahrungen zurückzublicken.

Vor anderthalb Jahren, am 14. Dezember 2007, einem kalten Wintertag, trafen sich die Projektpartner- die sich bis dahin nur von zahlreichen Emails und einigen Telefongesprächen kannten- zu einem ersten Planungstreffen beim ungarischen Partner Peripherie-Stiftung in einer Plattenbau-Vorstadt von Budapest. Aus dem Bus ausgestiegen, war es ziemlich schwierig, die „Vorstadt-Schule“ der Stiftung zu finden, es war niemand zu sehen, den man fragen konnte, außer drei Leuten, die aber ihres eigenen Weges nicht sicher zu sein schienen. Wir trafen sie eine halbe Stunde später wieder – es waren unsere holländischen Partner von Scouting Gelderland.

So fanden wir zusammen, aber anfangs kamen es uns eher abenteuerlustig vor, daß wir, ein Berliner Ausbildungs- und Beschäftigungsträger, im Begriff waren, mit so unterschiedlichen Organisationen, wie einer ungarischen freien Schule und einer Weiterbildungseinrichtung für Gruppenleiter der holländischen Pfadfinder, ein gemeinsames Projekt zu starten.

Und tatsächlich, auf unserem ersten Treffen „bemerkten wir sofort, daß wir uns dem Gegenstand unseres Projektes auf unterschiedliche Weise nähern: Ein Ziel ist es, die Mitarbeit unserer Kunden in öffentlichen und gemeinnützigen Einrichtungen so zu optimieren, daß diese im Zuge des non-formalen Lernens Schlüsselkompetenzen erwerben können, die für ein erfolgreiches Berufsleben notwendig sind. Ein weiteres Ziel ist es, die hierbei erworbenen Kompetenzen besser zu identifizieren und zertifizieren zu können. Mit unseren Partnern möchten wir Zertifizierungsmethoden diskutieren und diese in der täglichen Arbeit testen.“ So steht es im Report diesen ersten Meetings.  

Heute, fast zwei Jahre später, haben wir die gemeinsamen Vorhaben umgesetzt, und mehr noch, wir dürfen wohl rückblickend sagen, daß es uns gelungen ist, die unterschiedlichen Organisationsstrukturen und Herangehensweisen der Partner für das Projekt produktiv zu machen - und so vielleicht noch mehr voneinander zu lernen, als es in einer Gruppe homogener Partner möglich gewesen wäre.

Der ungarische Partner und, in seiner Eigenschaft als Projektkoordinator, auch Gastgeber der Abschlußkonferenz, wollte diese Veranstaltung nicht nur für die Weiterverbreitung des in der gemeinsamen Projektarbeit geteilten Wissens über non-formales Lernen in der Freiwilligenarbeit nutzen, sondern darüber hinaus auch generell für das Konzept der Freiwilligenarbeit werben, das in Ungarn noch nicht so verbreitet ist, wie in vielen westlichen Ländern.

Tibor Béres, der Programmleiter der Autonomie-Stiftung Budapest sprach in seiner Begrüßungsansprache denn auch von dem großen Bedarf an Freiwilligenarbeit für die Unterstützung von benachteiligten Gruppen in der ungarischen Gesellschaft, und besonders der Sinti und Roma.

Die Brücke ist so etwas wie ein Symbol für das Projekt geworden, denn die Einheit von non-formalem Lernen und Freiwilligenarbeit sehen wir als Brücke in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt an. So nimmt es nicht Wunder, daß wir in der Vorbereitung auf die Konferenz auch im ganz wörtlichen Sinne- nämlich aus Pappe!- Brücken bauten, die als Ausstellungsarchitektur für eine Fotoausstellung des ungarischen und des Schildkröten-Teams dienten. Die Bilder gaben Einblick in das tägliche Lernen in den Einrichtungen und erinnerten an die besten Momente der gemeinsamen Projektarbeit. Wir von der Schildkröte präsentierten auch einige Spielmaterialien, die in unserer Textilwerkstatt „GestaltBar“ von Teilnehmerinnen an Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen hergestellt worden waren. Sie fanden großen Anklang und wurden einer Budapester Kita gespendet.   

Die Vorbereitung der Abschluß-Konferenz gestaltete sich aufwendiger als die der vorangegangenen Meetings, so daß wir diesmal zwei Tage eher anreisten – denn neben dem Ausstellungsaufbau waren die Konferenz und die Präsentationen der Teams vorzubereiten und abzustimmen sowie die notwendige Übersetzung der Handouts ins Ungarische zu begleiten, denn viele Konferenzteilnehmer waren des Englischen nicht mächtig.

Nach den Präsentationen der Projektpartner über ihre Motivatation und Mitarbeit am Projekt gab Erik van Beek vom Bildungs-Ministerium der Niederlande, der ebenfalls der Projektgruppe angehörte, eine Einführung in die dort schon weit fortgeschrittene Anerkennung und Zertifizierung non-formalen Lernens, von der das Auditorium sehr beeindruckt war.

Danach teilten sich die Teilnehmer in Gruppen auf und konnten an verschiedenen Workshops teilnehmen: Während die ungarische Seite einen Workshop über Konfliktbewältigung in der Freiwilligenarbeit durchführte und die holländischen Partner mit den Konferenzteilnehmern über die Möglichkeiten der Anerkennung und Zertifizierung non-formalen Lernens diskutierten, bot das Schildkröten-Team einen Workshop mit Gruppenübungen für die Kompetenzfeststellung und -stärkung an, die im Rahmen des Projektes getestet und evaluiert worden waren.

War der Veranstaltungsort der Konferenz ein majestätischer Palast auf der Budapester Burg, in dem auch die Ungarische Kulturstiftung ihren Sitz hat, fand die Nachbetrachtung der Konferenz am nächsten Tag in einer noch schöneren Umgebung statt: einem Gartenrestaurant im Umland des Balaton-Sees, dessen landschaftliche Schönheit uns unsere ungarischen Freunde auf einer gemeinsamen Exkursion näherbrachten. Am Abend endeten wir in einer Weinprobe mit Blick auf den sich langsam türkis färbenden See. Ende gut, alles gut.

Andreas Quappe

Mehr Information über das Projekt VOTE finden Sie unter  www.bridge-to-learn.org