Vote 3
Voluntarism – a bridge to learn.
Drittes Projekttreffen in Holland 25. - 27. September 2008
Unter einem strahlend blauen Himmel machte sich das Schildkröten-VOTE-Team am Morgen des 25. September zum dritten Projekttreffen nach Holland auf. Zehn Stunden Autobahn mit reichlich Stop und Go dämpften unseren Enthusiasmus zwar zeitweilig, das war aber schnell wieder vergessen, als wir am Abend in Arnheim mit unseren holländischen und ungarischen Projektpartnern zusammentrafen. Unser letztes Arbeitstreffen in Berlin lag ja nun schon ein halbes Jahr zurück – ein Zeitabschnitt, der natürlich nicht ungenutzt verstrichen war, sondern in dem wir die gemeinsam in Berlin abgesprochenen Aufgaben erfüllten und deren Ergebnisse über unsere Arbeitsplattform www.bridge-to-learn.org den Partnern zugänglich machten.
Für die beiden folgenden Tage hatten wir uns zunächst vorgenommen, abschließend über die Erfahrungen zu diskutieren, die wir in den letzten Monaten bei der „Adoption“ von Instrumenten des nicht-formalen- das heißt außerhalb von Schule, Ausbildung oder Studium stattfindenden- Lernens gemacht hatten, wie sie in den Partner-Einrichtungen verwendet werden, um Teilnehmer und Freiwillige beim Erwerb von sozialen und anderen Schlüssel-Kompetenzen zu fördern.
In den letzten Monaten der Vorbereitung auf das Arbeitstreffen in Holland kreisten unsere Überlegungen dann vor allem darum, wie die über das nicht-formale Lernen erlangten Kompetenzen für eine Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt sichtbar gemacht werden können. Welche Erfahrungen gibt es, welche Methoden werden angewandt, bzw. welche Methoden wären für die Teilnehmerförderung oder Personalentwicklung in der Schildkröte GmbH geeignet? Stichworte hier sind Youth Pass, Europass, Profilpass, Berufwahlpass und zahlreiche andere mit nur regionaler Verbreitung, mit denen wir uns auseinandersetzten, bzw. die wir, wie Europass Mobilität und Berufswahlpass, in der Schildkröte bereits angewendet hatten.
Nicht-formales Lernen, wie es täglich bei der Schildkröte und den anderen Projektpartnern stattfindet, muß, um anerkannt- das heißt bescheinigt!- werden zu können, erst einmal erkannt werden: welche Fähigkeit wurde bei welcher Tätigkeit erlernt oder bewiesen? Dies ist für die Persönlichkeitsentwicklung und die Erkenntnis der eigenen Fähigkeiten und Interessen sehr wichtig und interessiert uns in der Schildkröte deswegen in Zusammenhang mit Projekten der Berufsorientierung, wie Kompass, die wir Schülern und jungen Erwachsenen anbieten.
Die Zertifizierung von, auf dem Wege des nicht-formalen Lernens bei der Mitarbeit in gemeinnützigen Einrichtungen erworbenen, Kompetenzen ist für uns hingegen in Zusammenhang mit den Arbeitsfördungsprojekten, die wir ständig in allen Altersgruppen durchführen, ein wichtiges Thema, und auch hier sehen wir Verbesserungspotential.
Der holländische Partner und Gastgeber Scouting Gelderland ermöglichte uns einen ganz praktischen Einblick in den Kompetenzerwerb durch nicht-formales Lernen. Scouting Gelderland ist die Sektion dieser Jugendorganisation in der gleichnamigen Provinz und verfügt wie alle regionalen Unterorganisation über eine Weiterbildungsabteilung, die junge Erwachsene, die als Gruppenleiter Freiwilligendienst tun möchten, auf diese Aufgabe vorbereitet. Wir von der Schildkröte (allesamt ohne Scouting-Vergangenheit) waren auf diese „Feldstudie“ sehr gespannt.
Am Samstag vormittag teilten wir uns also in Teilgruppen auf und besuchten drei Scouting-Gruppen in Ede, Nijmegen und in Wageningen, wo wir Gelegenheit hatten, freiwillige Gruppenleiter bei der Arbeit mit ihrer Gruppe zu beobachten und sie über die Kompetenzen, die sie in ihrer Funktion erwerben und wie diese anerkannt werden zu befragen. Wir waren fasziniert zu sehen, wie Jugendliche und junge Erwachsene an der Verantwortung für eine Aufgabe wachsen können, genauso wie von der Breite des freiwilligen Engagements, das diese Jugendorganisation trägt.
Sehr anregend für die Auseinandersetzung mit dem Thema der Zertifizierung des nicht-formalen Lernens waren zwei Präsentationen, die von den holländischen Partnern organisiert worden waren. „Opportunities and threats of recognition of voluntary work - Little less conversation, little more action, please!“ (Möglichkeiten und Bedrohungen der Anerkennung von Freiwilligenarbeit – bitte weniger reden, mehr tun!) war der Vortrag von Erik van Beek, einem Mitarbeiter des holländischen Sozialministeriums, überschrieben, und in die Situation übersetzt, in der man sich auch in Deutschland im Rahmen der Arbeitsförderung bewegt, hieße das: wenn sich im Großen, also auf staatlicher - oder Länderebene nichts bewegt, kann man doch wenigstens im Kleinen, auf lokaler Ebene, etwas verändern. Gründet Zertifzierungs-AGs!, ist eine Aufforderung van Beeks, über die es sich lohnt, nachzudenken .
Besonders beeindruckt waren wir auch von der Präsentation von Henry Soyer, einem Projektmanager bei Rijn Ijssel, einem großen Berufsbildungszentrum in der Region Arnheim. In Holland können auch nicht-formale, also außerhalb einer Berufsausbildung erworbene, Kompetenzen mit einem Diplom zertifiziert werden und haben dann einen ähnlichen Stellenwert wie Kenntnisse, die an einer Berufsschule vermittelt wurden. Die Diplome sind identisch. Für die Kompetenz-Feststellung bietet Rijn Ijssel ein Assessment-Verfahren an, bei dem die angegebenen Kenntnisse überprüft und beglaubigt werden und gegebenenfalls ein Weiterbildungsplan erarbeitet und umgesetzt wird, um noch vorhandene Wissenslücken auf dem Weg zu einem Berufsabschluß zu schließen.
Das nächste Projektmeeting findet im Februar nächsten Jahres in Berlin statt.
Andreas Quappe
